Vom Date zur Liebe: Können Lebensereignisse unsere Bindung beeinflussen?

Manchen Menschen fällt die Partnersuche leicht, während andere sich in Zyklen von Sorgen, Rückzug oder gemischten Signalen verfangen. Die Ursache für diese Muster liegt möglicherweise im so genannten Bindungsstil – der Art und Weise, wie sie, oft in der Kindheit, gelernt haben, mit den ihnen nahestehenden Menschen umzugehen. Bindungsstile wirken wie ein inneres Drehbuch, das steuert, wie nahe sich Menschen anderen fühlen, wie sehr sie ihnen vertrauen und wie sie Liebe erleben. Dies wirft eine interessante Frage auf: Können Lebensereignisse – wie das Eingehen einer neuen Beziehung, das Zusammenziehen mit einem Partner oder eine Krankheit – dieses Drehbuch umschreiben und den Bindungsstil verändern? Und wenn ja, sind diese Veränderungen von Dauer, oder kehren die Menschen schließlich zu ihren vertrauten Mustern zurück? Ein Forscherteam hat sich diesen Fragen gewidmet und dabei einige faszinierende Erkenntnisse zutage gefördert. 

Was sind Bindungsstile?

Bindungsstile können als mentale Rahmen betrachtet werden, die beeinflussen, wie Menschen sich in Beziehungen fühlen und verhalten. Sie ergeben sich aus den Erfahrungen, die man auf der Suche nach Nähe und Unterstützung durch wichtige Bezugspersonen gemacht hat, insbesondere durch frühe Bezugspersonen, und variieren je nachdem, wie ansprechbar und verfügbar diese Bezugspersonen oder Partner waren (Bowlby, 1969/1982).

Die Forschung hat drei Hauptbindungsstile identifiziert: sicher, ängstlich und vermeidend (Ainsworth, 1978; Ainsworth et al., 2015). Menschen mit einem sicheren Bindungsstil fühlen sich im Allgemeinen mit Intimität wohl und haben positive Erwartungen an Beziehungen. Im Gegensatz dazu machen sich Menschen mit einem ängstlichen Bindungsstil oft Sorgen über Zurückweisung und sehnen sich nach Nähe, während Menschen mit einem vermeidenden Bindungsstil sich mit Intimität unwohl fühlen und lieber auf Distanz bleiben.

Bindungsstile wirken sich auf vertraute Beziehungen aus, z. B. zu einem romantischen Partner oder einer Partnerin, beeinflussen aber auch die Art und Weise, wie Menschen mit neuen Menschen interagieren. Die Forschung zeigt, dass diese Muster viele Aspekte des sozialen Lebens prägen, von der Konfliktbewältigung bis hin zur Selbstoffenbarung und Pflege (z. B. Collins & Feeney, 2000; Mikulincer & Nachshon, 1991; Mikulincer & Shaver, 2003).

Das Argument für Veränderung

Da Bindungsstile eine so große Rolle in unseren Beziehungen und unserem sozialen Leben spielen, fragen Sie sich vielleicht: Können sie sich tatsächlich ändern? Die Forschung legt nahe, dass Bindungsstile uns zwar durchs Leben begleiten, aber nicht unbedingt in Stein gemeißelt sind (Gillath et al., 2016).

In einer 2021 veröffentlichten Studie untersuchten Dr. R. Chris Fraley und seine Kolleg:innen, ob bestimmte Lebensereignisse – wie die Aufnahme oder Beendigung einer Beziehung, ein Arbeitsplatzwechsel, ein Umzug oder gesundheitliche Probleme – die Bindungsstile von Menschen tatsächlich verändern können, und wenn ja, wie dauerhaft diese Veränderungen sein könnten. Anhand der Daten von 4 920 Teilnehmer:innen, die über einen Zeitraum von bis zu drei Jahren etwa einmal im Monat untersucht wurden, konnten die Forscher Veränderungen des Bindungsstils vor und nach 25 verschiedenen Lebensereignissen verfolgen.

Wenn Sie raten müssten, was glauben Sie, was sie herausgefunden haben?

Vorübergehende versus dauerhafte Veränderungen

Fraley und seine Kolleg:innen fanden heraus, dass etwa die Hälfte der untersuchten Lebensereignisse mit unmittelbaren Veränderungen des Bindungsstils verbunden waren. Die Aufnahme einer neuen Beziehung ging beispielsweise mit einer deutlichen Abnahme der Bindungsangst einher. Das Ausmaß dieser Veränderungen war unterschiedlich, wobei einige Ereignisse größere Veränderungen auslösten als andere. Bei den meisten Menschen kehrten die Bindungsniveaus jedoch im Laufe der Zeit zu den Werten vor dem Ereignis zurück, was darauf hindeutet, dass es sich bei diesen Veränderungen in der Regel um kurzfristige Anpassungen handelt.

Interessanterweise führte etwa ein Viertel der untersuchten Lebensereignisse zu dauerhaften Veränderungen, was darauf hindeutet, dass einige Erlebnisse den Bindungsstil einer Person dauerhaft prägen. So wirkten sich beispielsweise Erfahrungen wie ein ernsthafter Streit mit einem Partner auf die Bindungsvermeidung in einer Weise aus, die sich von dem unterscheidet, was vor dem Ereignis vorhergesagt wurde.

Interpretation spielt eine Rolle

Ein weiteres interessantes Ergebnis der Studie ist, dass die Auswirkungen von Lebensereignissen auf den Bindungsstil sehr individuell sind – nicht alle Menschen reagieren auf dieselbe Weise. So führte die Heirat bei der Durchschnittsperson zwar nicht zu dauerhaften Veränderungen der Bindungsangst, aber einige Personen wurden ängstlicher, als es ihr Verhalten vor der Heirat vermuten ließ, während andere weniger ängstlich wurden.

Ein Schlüsselfaktor zur Erklärung dieser Unterschiede ist die Art und Weise, wie die Menschen ihre Lebensereignisse wahrgenommen haben – ob sie sie als positiv und lohnend oder als belastend empfanden. Je positiver die Menschen die meisten Ereignisse wahrnahmen, desto wahrscheinlicher war es, dass sie sich in eine sichere Richtung bewegten (weniger vermeidend oder ängstlich wurden), und diese Veränderungen waren oft sowohl unmittelbar als auch dauerhaft. Bei einigen Ereignissen gab es sogar einen „Fächereffekt“ (Fraley et al., 2021), bei dem negative Interpretationen von Ereignissen zu einer Zunahme des Bindungsstils führten, während positive Interpretationen zu einer Abnahme führten. Bei den Teilnehmern, die von ihren Partnern getrennt wurden, nahmen beispielsweise diejenigen, die die Trennung negativ bewerteten, ihre Bindungsangst dauerhaft zu, während diejenigen, die das Ereignis eher positiv interpretierten, häufig eine Abnahme der Bindungsangst erlebten.

Darüber hinaus fanden Fraley und seine Kolleg:innen heraus, dass positive Interpretationen von Ereignissen häufig das Ausmaß der anhaltenden Veränderung mäßigten. Je positiver und lohnender ein Ereignis wahrgenommen wurde, desto wahrscheinlicher war es, dass die Bindungsangst und das Vermeidungsverhalten nach dem Ereignis dauerhaft abnahmen.

Was ist aus diesen Ergebnissen zu schließen?

Die Ergebnisse von Fraley und seinen Kolleg:innen unterstreichen, dass Bindungsstile zwar einigermaßen stabil sind, aber auch auf wichtige Lebensereignisse reagieren – und vor allem darauf, wie die Betroffenen diese Ereignisse interpretieren. Dies deutet darauf hin, dass man durch eine bewusste Umgestaltung der eigenen Perspektive auf die Herausforderungen und Meilensteine des Lebens die Art und Weise beeinflussen kann, wie man sich mit anderen verbindet, und im Laufe der Zeit positivere und sicherere Beziehungserfahrungen kultivieren kann. Mit anderen Worten: Ihr Bindungsstil ist kein Skript, das Sie für immer befolgen müssen. Selbst herausfordernde Situationen können, wenn sie positiv wahrgenommen werden, zu einem größeren Gefühl der Sicherheit in Ihren Beziehungen führen.

Referenzen 

Ainsworth, M. D. S. (1978). The Bowlby-Ainsworth attachment theory. Behavioral and Brain Sciences, 1(3), 436–438. https://doi.org/10.1017/S0140525X00075828

Ainsworth, M. D. S., Blehar, M. C., Waters, E., & Wall, S. N. (2015). Patterns of Attachment: A Psychological Study of the Strange Situation. Psychology Press. https://doi.org/10.4324/9780203758045

Bowlby, J. (1982). Attachment and loss: Vol. 1. Attachment (2nd ed.). New York, NY: Basic Books. (Original work published 1969.)

Collins, N. L., & Feeney, B. C. (2000). A safe haven: An attachment theory perspective on support seeking and caregiving in intimate relationships. Journal of Personality and Social Psychology, 78(6), 1053–1073. https://doi.org/10.1037/0022-3514.78.6.1053

Fraley, R. C., Gillath, O., & Deboeck, P. R. (2021). Do life events lead to enduring changes in adult attachment styles? A naturalistic longitudinal investigation. Journal of Personality and Social Psychology, 120(6), 1567–1606. https://doi.org/10.1037/pspi0000326

Gillath, O., Karantzas, G., & Fraley, R. C. (2016). Adult attachment: A concise guide to theory and research. New York, NY: Academic Press.

Mikulincer, M., & Nachshon, O. (1991). Attachment styles and patterns of self-disclosure. Journal of Personality and Social Psychology, 61(2), 321–331. https://doi.org/10.1037/0022-3514.61.2.321

Mikulincer, M., & Shaver, P. R. (2003). The Attachment Behavioral System in Adulthood: Activation, Psychodynamics, and Interpersonal Processes. In M. P. Zanna (Ed.), Advances in experimental social psychology, (Vol. 35, pp. 53–152). New York: Academic Press. https://doi.org/10.1016/S0065-2601(03)01002-5